Hunderttausende von Flüchtlingen, Vertriebenen und Heimkehrern waren seit Kriegsende bereits aufgenommen worden - nun kamen als neue herausfordernde Aufgabe die Aussiedler aus ost- und
südosteuropäischen Staaten hinzu. Die Hilfsmittel der in der Betreuungsarbeit stehenden Wolfahrtsverbände aus privaten
Spenden und öffentlichen Zuwendungen gingen zurück. Sie reichten für die dringend notwendige Erstversorgung der
Eintreffenden mit Textilien, Schuhen und anderen Dingen des täglichen Bedarfs in keiner Weise mehr aus.Die Idee
Diese Situation führte zur Gründung unserer Hilfsorganisation. Sie sollte ein Verein “auf Zeit” sein mit dem Ziel, Geld-
und Sachspenden zur Erstbetreuung der Landsleute aus dem Osten von allen Kreisen der Bevölkerung und Wirtschaft
zu erbitten und für deren umgehende, gerechte Verteilung durch die Wohlfahrtsverbände zu sorgen. Es wurde betont,
dass damit keineswegs beabsichtigt sei, eine Konkurrenz zu den bereits bestehenden Wohlfahrtsorganisationen
aufzubauen. Alleiniger Auftrag der Friedlandhilfe sollte vielmehr sein, den Bundesbürgern durch Spendenbittbriefe das Schicksal der Deutschen aus dem Osten nahezubringen, etwaige Vorurteile abzubauen, das
Verantwortungsbewußtsein zu wecken und zur Hilfe aufzurufen.
Unsere Arbeit
Von Beginn an konzentrierte sich die Aufgabe der Friedlandhilfe nicht nur auf das Grenzdurchgangslager Friedland
sondern auch auf die anderen Erstaufnahmeeinrichtungen. Dies waren zunächst Nürnberg (für Rumäniendeutsche),
Gießen (für DDR-Flüchtlinge) und Berlin-Marienfelde (für alle in Berlin Eintreffenden). Nach der Wende wurden diese
Lager - außer Friedland - allmählich aufgegeben. Dafür wurden Aufnahmeeinrichtungen in Rastatt, Unna-Massen,
Hamm, Empfingen, Bramsche, Schönberg-Holm und Dranse eingerichtet. - In Abhängigkeit von der Weltpolitik war die
Anzahl der eintreffenden Aussiedler starken Schwankungen ausgesetzt. Während z.B. 1974/75 nur 23.500 Personen
zu betreuen waren, steigerten sich die Zahlen im Zuge der Öffnung zwischen Ost und West bis zu weit über 200.000
jährlich. Ab 1988/89 war die Friedlandhilfe darum nicht mehr in der Lage, ihre Arbeit ohne ergänzende Zuwendungen des Bundes durchzuführen.
Friedlandhilfe heute
Noch immer sind Rußlanddeutsche auf der Suche nach heimatlicher Geborgenheit. Als Folge von Sparmaßnahmen und
sinkenden Aussiedlerzahlen ist das Grenzdurchgangslager Friedland inzwischen alleinige Erstaufnahmeeinrichtung in
der Bundesrepublik Deutschland. Alle Spendenmittel der Friedlandhilfe gehen somit an die hier tätigen
Wohlfahrtsverbände (Caritas, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk), die gemäß dem Pro-Kopf-Betreuungssatz
die benötigten Dinge im günstigen Großeinkauf sorgfältig aussuchen. So bringen z.B. das warme Nachthemd für die
Großmutter, die Wolljacke für den Vater, ein Rock für die Mutter, Turnschuhe und Jeans für die junge Generation sowie
Toilettenartikel für die ganze Familie große Dankbarkeit und Freude. Seit jeher trägt diese praktische Fürsorge -
begleitet von freundlichen Worten der Anteilnahme - zur Erleichterung des Neuanfangs bei. Sie ist nicht nur ein materieller sondern auch seelischer erster Schritt zur Integration.
Aus der Satzung
1. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnittes “steuerbegünstigte Zwecke” der Abgabenordnung.
2. Der Verein ist selbstlos tätig. Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Zuwendungen aus den Mitteln des Vereins.
3. Alle Mitglieder haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeit in der Öffentlichkeit für die Unterstützung der Arbeit der Friedlandhilfe einzusetzen.
Noch immer eine Aufgabe unserer Zeit
Wie in den Anfängen hat die Friedlandhilfe ihren Sitz in einer modernisierten Baracke des traditionsreichen Lagers
Friedland. In zentraler Funktion ist sie Bindeglied zwischen Spendern, Bundesregierung und Wohlfahrtsverbänden, um
die Mittel für eine erste Versorgung bei wechselnden Spätaussiedlerzahlen sicherzustellen. Der Vorstand arbeitet
ehrenamtlich. Ein Geschäftsführer trägt Sorge für den geregelten Ablauf der täglichen Arbeit. Es gibt lediglich zwei
ständige, besoldete Mitarbeiter, die bei Bedarf durch freiwillige Helfer ergänzt werden. Die Rechnungslegung wird im Turnus von drei Jahren durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft.
Nahe zu 50 Jahre “Friedlandhilfe” und Spendeneinnahmen von über 57 Millionen Euro, dazu unzählige neue und
neuwertige Sachspenden bestätigen, dass die Idee der Gründungsväter auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Sie sind ein
eindrucksvolles Zeichen mitmenschlicher Anteilnahme und hilfreicher Opferbereitschaft der bundesdeutschen
Bevölkerung für die heimkehrenden Landsleute. Dafür sind wir sehr dankbar. Spenden sind aber auch zukünftig dringend notwendig - denn Spätaussiedler brauchen Friedlandhilfe!